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Kalitta L1011-385-1-15-200F; Registrierung N102CK
| Die ersten Planungen für einen TriStar - Frachter
gehen bis ins Jahr 1985 zurück, als Aeronautical Engineers Inc. (AEI) in Miami von der Aircraft Sales Company mit der Projektierung eines Umrüstungspaketes
für zwei TriStar -1 beauftragt wurde, die das Unternehmen von Eastem Air Lines akquiriert und in Miami bereitgestellt hatte.
Das von AEI entwickelte Modifikationsprogramm sah auf dem Hauptdeck zunächst die Entfernung der gesamten Kabineneinrichtung einschließlich Bordküchen, Toiletten
und Verkleidungen vor, während im Unterflur die Hauptküche und das Aufzugsystem zum Hauptdeck ausgebaut wurden. Neben den Kabinenfenstem deaktivierte man sieben der acht
Passagiertüren (außer 1L) und die Servicetür zur Unterflurbordküche. Der Umbau beinhaltete neben der notwendigen Verstärkung des Kabinenbodens den Einbau
einer 4,32 x 2,92 m großen Frachttür zum Hauptdeck und die Installation eines manuellen Frachtbeladungssystems. Das im vorderen Kabinenbereich eingerichtete Crew / Courier Compartment,
das vom Frachtraum durch eine mit 9g belastbare Schutzwand getrennt war, verfügte über ein Servicecenter, eine Toilette und sechs Passagiersitze. Der vordere Unterflurfrachtraum wurde
in den Bereich der ehemaligen Bordküche ausgedehnt, so dass zusätzlich zu den 23 A - Paletten auf dem Hauptdeck insgesamt 24 LD3-Container (Standard - Frachtcontainer für
Großraumflugzeuge) im Unterflur geladen werden konnten. Mit rund 475 m3 verfügte der von AEI projektierte TriStar 1 (F) damit über ein rund 50% größeres Frachtvolumen
als die Cargoversionen der DC-8-70, und eine mit der DC-10 vergleichbare Kapazität.
Die Umrüstungsarbeiten an der L-1011-1 mit der Seriennummer 1012 (N311EA) begannen im Herbst 1985 bei Monarch Aviation in Miami, wurden im Sommer des folgenden Jahres bei
Hayes Aircraft in Dothan / Alabama fortgesetzt und dort im Frühjahr 1987 abgeschlossen. Den Erstflug als Frachter absolvierte das Flugzeug am 5. Mai 1987, das ergänzende
Typenzertifikat (STC) wurde von der FAA sechs Tage später erteilt. Diese frühe Modifikationsprogramm sah keine Änderungen der Betriebsmassen und der Tankkapazität vor, so dass
der TriStar 1(F) über ein relativ ungünstiges Gewichtsverhältnis verfügte. Die maximale Nutzlast beträgt 50'800 kg, die Reichweite liegt (unter Reduzierung der Nutzlast
auf 43'545 kg) bei etwa 5'470 km. Diese nicht unerheblichen operationellen Restriktionen machten es zunächst schwierig, einen Betreiber für die umgerüstete Maschine zu finden. Erst
nachdem der Eigentümer mehrmals gewechselt hatte, konnte Arena Aviation das Flugzeug im Januar 1991 schließlich an TradeWinds Cargo aus Greensboro / North Carolina vermieten, die
damit ihre Flotte aus mehreren CL-44 Swingtail ergänzte. Die von AEI entwickelte Frachterumrüstung fand daraufhin keine weitere Anwendung mehr und ließ die L-1011 mit der
Seriennummer 1012 zu einem einzigartigen Projekt werden. |
Die msn 1012 ist der einzige -1 Frachter
| An der Farnborough Air Show 1992 kündigte Lockheed erstmals das neue "TriStar 2000" - Frachterprogramm an. Die in den Jahren zuvor durchgeführten Marktanalysen hatten
gezeigt, dass sich das Luftfrachtaufkommen bis zum Jahre 2000 weltweit mehr als verdoppeln würde. Der Bedarf an neuen Frachtflugzeugen wurde in diesen Studien zufolge mit rund 700 Maschinen
beziffert,wovon ein Großteil durch umgebaute Passagierflugzeuge gedeckt werden sollte. Als Hersteller der L-1011 und einer der weltweit größten Luft- und Raumfahrtkonzerne
konnte Lockheed für das neue Frachterprogramm auf die Ressourcen des gesamten Unternehmens zurückgreifen. Die Hauptverantwortung übertrug man der Lockheed Aircraft Service Company
(LAS) in Ontario / Kalifomien, während die Umrüstungsarbeiten beim Lockheed Aeromod Center (LACI) in Tucson / Arizona durchgeführt werden sollten. Mit dem weltweiten Servicenetz
konnte Lockheed den Kunden darüber hinaus auf jedem Kontinent alle später notwendigen Modifikations- und Wartungsarbeiten bis hin zu C- und D - Checks anbieten.
Die Umrüstungen selber basierten auf dem von AEI projektierten und von der FAA zertifizierten TriStar - Frachter einschließlich der 4,32 x 2,92 m großen
Frachttür und des manuellen Beladungssystems. Aufgrund der bereits genannten operationellen Nachteile, die der alleinige Umbau zum Nurfrachter mit sich brachte, wurde dies jedoch nur als
Basispaket angeboten. Gleichzeitig offerierte Lockheed optional die Modifikation aller TriStar 1 und TriStar 50 auf den Standard des TriStar 100 oder TriStar 200 (je nach Triebwerkstyp), eine
entsprechende Erhöhung der Betriebsmassen und der Tankkapazität sowie die Installation eines vollautomatischen Frachtbeladungssystems. Im Rahmen der optionalen Leistungen wurde
darüber hinaus ein weiter erhöhtes Landegewicht von 172.365 kg (plus 5.440 kg) und ein Leertankgewicht von 163.295 kg (plus 9.980 kg) angeboten, womit die Nutzlast auf 65.315 kg
gesteigert werden sollte.
In der Folgezeit stand LAS mit mehreren US - Frachtgesellschaften in Verhandlungen, doch trotz verstärkter Bemühungen, das "TriStar 2000" Frachterprogramm zu vermarkten,
konnten keine Aufträge verbucht werden. Eine im Frühjahr 1995 in Tucson geparkte L-1011 der LTU (Seriennummer 1152) wurde als möglicher Kandidat einer ersten Umrüstung
angesehen. Nachdem aber auch die Versuche erfolglos blieben, das Programm durch eine Marketingverbindung mit der schweizerischen Avtec AG (diese erwarb inzwischen die Rechte am Typenzertifikat)
zu fördern, wurden die Arbeiten am "TriStar 2000" Frachter zum Ende des Jahres 1995 endgültig eingestellt. |
Im Juni 1997 übernahm FineAir den TriStar 200F (S/N 1158) von der Millon Air.
Ursprünglich war dies die D-AERN der LTU.
| In den 80er Jahren hatte Marshall Aerospace (MCE) in Cambridge/UK im Auftrag der Royal Air Force sechs ex British Airways TriStar 500 zu Tank- und Frachtflugzeugen umgebaut.
Auf Basis der Erkenntnisse, die man mit den militärischen Modifikationen gesammelt hatte, offerierte MCE ab 1994 auch ein eigenes ziviles TriStar - Frachterprogramm. Man fokussierte dabei
die Umrüstung des TriStar 200, der sowohl unter operationeller als auch ökonomischer Betrachtung als optimale und zugleich anpassungsfähigste Variante angesehen wurde.
Die grundlegenden Vorbereitungen zum Frachterumbau entsprachen dabei den vorangegangenen Projekten. Die Modifikationen umfaßten daraufhin eine Verstärkung des
Kabinenbodens und den Einbau einer neukonzipierten, 3,94 x 2,92 m großen Frachttür auf dem Hauptdeck. Das Servicecenter im Crew / Courier Compartment ähnelte dem des
vorbeschriebenen TriStar 1(F) und unterschied sich lediglich in Anordnungsdetails. Optional bot MCE außerdem den Einbau eines 9g-stabilen Abfangnetzes anstelle einer Schutzwand zwischen
Cockpitbereich und Frachtraum.
Den ersten Auftrag konnte Marshall Aerospace im Sommer 1994 bekanntgeben, als American International Airways (auch bekannt unter dem Namen Kalitta) drei Umrüstungen fest
bestellte und auf weitere fünf optionierte. Es handelte sich dabei um acht ausgemusterte TriStar 200 von British Airways, die sukzessive von MCE erworben und an American International
Airways weiterverkauft wurden. Die Modifikationen an der ersten Maschine (Nummer 1198) begannen im Oktober 1994.
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Die N103CK gelang nach neunmonatiger Umbauzeit im Oktober 1995
zur Auslieferung an Kalitta.
| Wenige Wochen darauf wandelte Kalitta ihre fünf Optionen in Festaufträge um und zu Beginn des Jahres 1995 bestellte auch International Air Leases drei Umrüstungen
für Arrow Air (TriStar 200 ex Gulf Air), die damit ihre Flotte aus DC-8 ergänzen und teilweise ersetzen wollte. Abhängig vom jeweiligen Modifikationsstand der eingebrachten L-1011
und nach Wunsch des Kunden offerierte MCE die Erhöhung des Abfluggewichtes auf 215.000 kg, ein Landegewicht von 172.365 kg und ein Leertankgewicht von 158.755kg. Die Maschine mit der
Immatrikulation N102CK absolvierte ihren Erstflug als Frachter am 11. August 1995 und wurde fünf Tage darauf an Connie Kalitta - dem Gründer und Eigentümer von American
International Airways - übergeben. Zum Ende des Jahres 1995 kam ILFC als dritter Kunde hinzu, als sie die Umrüstung eines TriStar 200 (Seriennummer 1158) für die amerikanische
Millon Air bestellte.
Nach dem ILFC - Auftrag ließ das zunächst rege Interesse am TriStar - Frachterprogramm nach. Nicht zuletzt aus diesem Grund versuchte MCE, die Frachterumrüstung
in einem breiteren Spektrum anzubieten. Ab Frühjahr 1996 offerierte man die Modifikation auch für alle anderen "Long Body" - Varianten der L-1011, entweder im Rahmen der reinen
Frachterumrüstung oder mit einem Upgrading auf den Standard des TriStar 100 oder 200. Noch im selben Jahr wurden Verhandlungen mit potentiellen Kunden wie Emery Woridwide und Airborne
Express geführt, auch UPS war zeitweise mit mindestens 25 TriStar - Frachtem im Gespräch. Um die Bedingungen für eventuelle Großaufträge von US - amerikanischen
Airlines zu verbessern, kündigte MCE im August 1996 ein Kooperationsabkommen mit dem Lockheed Martin Aircraft Center in Greenville / South Carolina an, mit der Absicht, zwei parallele
Fertigungslinien in Großbritannien und den USA anzubieten. Doch auch hiermit ließen sich keine Aufträge von Emery Worldwide oder UPS realisieren. Insgesamt rüstete Marshall
Aerospace bis heute zehn TriStar 200 zu Nurfrachtern um, davon sechs für Kalitta, drei für IAL (Arrow Air) und einen für ILFC (Millon Air). |
Die N307GB war der dritte TriStar - Frachter der am 07.11.1996 an IAL geliefert wurde.
| Lockheed & Intercapital
Unter Berücksichtigung der schwierigen Umstände war es verständlich,das das im Oktober 1999 von den Lockheed Martin Aircraft & Logistics Centers
angekündigte TriStar - Frachterprogramm nicht den erhofften Erfolg haben konnte. Die allgemeinen Bedingungen jedenfalls stimmten weitgehend optimistisch. Der Start des Programmes mit
Intercapital Aviation umfaßte zunächst 13 Umrüstungen. Wobei die Londoner Leasingfirma bis zu 40 Maschinen modifizieren lassen wollte. Dies war jedoch mit Vorsicht zu
genießen: Intercapital Aviation wurde gemeinsam von Lockheed Martin, Rolls-Royce und Delta Air Lines gegründet.
Bei den ersten 13 Umrüstungen für Intercapital sollte es sich um TriStar 40 von Delta Air Lines handeln, die die Airline bereits abgestellt hatte. Es blieb fraglich, ob
es gelingen sollte , diese dem TriStar 1 sehr ähnlichen Modelle als Frachter ohne Upgrading erfolgreich zu vermarkten. Darüber hinaus war zu berücksichtigen, dass zwischen LMALC
und Intercapital noch kein definitiver Vertrag existierte. Sofern dieser Vertrag irgendwann einmal zustande käme, werden die TriStar 40(F) mit dem Umrüstungspaket von Marshall Aerospace
modifiziert werden. Zielgruppe sind die sogenannten Over - Night - Päckchenflieger und solche Airlines, die für ihre Fracht primär auf ein großes Volumen angewiesen sind. Die
Abflugmasse des TriStar 40(F) würde entsprechend der Passagierversion bei 199.580 kg, das Leertankgewicht bei 147.400 kg liegen. Damit ergibt sich bei einem geschätzten Leergewicht der
Frachtversion von 99.000 kg eine Nutzlast von etwa 48'400 kg. Diese gilt als kostengünstige Möglichkeit des Frachterumbaus für Intercapital, doch plant man für spätere
Umbauarbeiten eine weitaus höhere Nutzlast durch eine gesteigerte Abflugmasse und ein erhöhtes Leertankgewicht von 158.760kg.
Als weiterer Kunde des neuen Programmes kam kurzzeitig auch die Custom Air Support Holding aus Miami ins Gespräch, die mit Saudi Arabian Airlines über den Erwerb von
16 TriStar 200 der Gesellschaft in Verhandlungen stand. Custom Air hatte bereits angekündigt, mindestens die Hälfte der ex Saudia - Maschinen bei LMALC zu Frachtern umrüsten zu
lassen, während die verbleibenden Flugzeuge als Passagiermaschinen vermietet oder verkauft werden sollen. Letzendlich kam kein Vertrag zu stande.
De Facto gibt es keinerlei Anzeichnen mehr für einen Umbau von stillgelegten L1011 zu Vollfrachtern. |
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