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Als sich Mitte der sechziger Jahre abzeichnete, daß in Zukunft immer mehr Großraumflugzeuge nötig sein würden, kam es zu einem harten Konkurrenzkampf zwischen den
amerikanischen Herstellern Lockheed und McDonnell Douglas; Boeing hatte mit der 747 schon einen Treffer gelandet. Die TriStar von Lockheed schien anfänglich das Rennen zu machen, doch nur
wenig später konnte McDonnell Douglas mit der DC-10 schon bald den Konkurrenten einholen. Allerdings hat sich gezeigt, daß die meisten Fluggesellschaften über lange Jahre der TriStar
ebenso die Treue hielten wie der DC-10.
Erste Spezifikation
Im Herbst 1966 stellte American Airlines eine Spezifikation für ein Großraumflugzeug auf, das für Kurz- und Mittelstrecken ausgelegt und von der neusten
Generation von Turbofan- Triebwerken angetrieben werden sollte. Obwohl es sich damals um ein nur fünfseitiges Typendokument handelte, waren dem zu entwickelnden Flugzeug klare Grenzen
gesetzt. Dabei waren die durch den Flughafen LaGuardia gesetzten Grenzen, die Schwierigkeiten, denen ein Flugzeug beim Anflug entlang der Flushing Bay und im Schatten von Manhattan ausgesetzt
ist, sowie der Flugverkehr auf dem ganz in der Nähe gelegenen Kennedy International - Flughafen besonders zu berücksichtigen.
Im Hinblick auf das Layout der dicht gereihten Flugsteige und der Turning Areas war die Gesamtlänge auf 56,00 m beschränkt wie auch die maximalen Betriebsmassen auf
Grund der kurzen und nur limitiert belastbaren Start- und Landebahn. Die Rumpflänge durfte höchstens 36,39 m betragen, und die erforderliche Kraft sollte von den ruhigen und
treibstoffsparenden Turbofans der neuen Generation kommen. American schlug den interessierten Herstellern folgende Triebwerke vor: Pratt & Whitney JT9D, General Electric CTF39 und
Rolls-Royce RB.178-51, ohne selbst eine Entscheidung zu treffen. Anspruchslose Wartung, eine schnelle Wendezeit und automatische Landefähigkeit wurden ebenfalls vorausgesetzt.
Ziel von American war es, eine maximale Zahl an Passagieren zu den minimalsten Kosten auf Sitz pro Meile mit dieser Neuentwicklung befördern zu können, was in den
frühen Planungsstadien zu einem Twin- Jet führte.
Planung
American Airlines verlangte sehr viel, aber den Herstellern winkte ein sehr lukratives Geschäft. Sowohl Douglas als auch Lockheed stürzten sich in die Arbeit, um dem
Ruf von American Folge zu leisten. Nach der Spezifikation setzte man sich unter Führung von William M. Hannan bei Lockheed an den Entwurf verschiedener Vorschläge, wobei 1.200
weitere Ingenieure aus dem im Dezember 1966 eingestellten SST- Programm zur Verfügung standen. In den ersten Monaten des Jahres 1967 kristallisierte sich eine Hauptkonzeption heraus -
bezeichnet als CL-1011-28 - die, angetrieben von zwei Turbofan - Triebwerken, 250 Passagiere über eine Strecke von 2.963 km bei einer maximalen Abflugmasse von 300.000 lbs befördern
sollte. Die Rumpflänge dieses Entwurfs betrug 49,38 m, die Spannweite 47,24 m.
Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte Lockheed alternative, dreistrahlige Vorschläge auf dem Reißbrett, die als CL-1011-31, -32 und -33 bezeichnet wurden,
doch erschien die Wirtschaftlichkeit eines Twin - Jets überzeugender.
Eastern Air Lines war eine der Fluggesellschaften, die nicht mit einem zweistrahligen Modell einverstanden waren, da sie das neue Großraumflugzeug auf der Route von New York nach
San Juan einsetzen wollte, was darüber hinaus auch eine größere Reichweite von 3.334 km erforderte.
Auch Trans World Airlines war an dem neuen Projekt interessiert, da sich die bereits im Einsatz befindliche Boeing 747 auf verschiedenen Inlandsstrecken wie von Chicago nach Los Angeles oder
von St. Louis und Kansas City an die Westküste als zu unwirtschaftlich erwies. Die Forderung der TWA beinhaltete eine Kapazität von 250 bis 300 Passagieren und ebenfalls drei
Triebwerke, da man einen Twin - Jet aus Sicherheitsgründen nicht auf den Routen über die Rocky Mountains einsetzen wollte. Bei weiteren Gesprächen im Jahre 1967 zeigte sich,
daß ein dreistrahliges Modell den Erfordernissen der Airlines am besten nachkommen würde.
Etwa neun Monate später, am 11. September, kündigte Lockheeds Präsident Daniel J. Haughton an, daß seine Firma jetzt in der Lage sei, Aufträge entgegenzunehmen.
Das Wettrennen zwischen Lockheed und McDonnell Douglas hatte begonnen.
Trotz der hitzigen Atmosphäre, die damals im Geschäft herrschte, und ohne sich durch die hohen Energiekosten, die wie ein Alptraum auf der Flugzeugindustrie lasteten,
abschrecken zu lassen, nahmen sowohl McDonnell Douglas (die beiden Unternehmen schlossen sich im April 1967 zusammen) als auch Lockheed an diesem Wettrennen teil.
Beide Firmen litten unter einer sehr angespannten Finanzlage. Erstere hatte kurz zuvor einen Auftrag der US Air Force über schwere Transportflugzeuge an Lockheed verloren, und letztere
sollte durch die Entwicklungskosten für dieses Projekt, das zur C-5A Galaxy führte, enorm geschwächt werden.
Entwicklung und Produktion
Die Flugwerkskonfigurationen der beiden Unternehmen waren sich erstaunlich ähnlich. Beide entschieden sich für ein Großraumflugzeug mit um 35° gepfeilten Flügeln,
zwei Turbofans in Triebwerksgondeln unter jedem Flügel und einem dritten im oder auf dem hinteren Rumpfteil. Die von McDonnell Douglas vorgesehene Maschine war die DC-10, entweder mit
General Electric CF6 oder auf Wunsch mit Pratt & Whitney JT9D Triebwerken ausgerüstet.
Die beiden ersten Interessenten, die Lockheed für sich gewinnen konnte (American Airlines und Delta Air Lines) entschieden sich für Rolls-Royce RB.211 Triebwerke. Die britische Firma
Rolls-Royce zeigte sich über diese Aufträge, die ihr im März 1968 erteilt wurden, sehr erfreut. Es war jedoch zweifelhaft, ob Lockheed eine Ahnung von den technischen Problemen
hatte, die auf Rolls-Royce bei der Entwicklung des RB.211 zukommen würden, noch von der sich schnell zuspitzenden Finanzlage der britischen Firma, die durch die hohen Forschungs- und
Entwicklungskosten für dieses Triebwerk entstanden.
Nach verschiedenen Studien offerierte Lockheed zum Jahreswechsel 1967/1968 die L-1011-385 mit einer Länge von 53,34 m, 250 Sitzplätzen und drei jeweils 37.000 lbs Schub
liefernden Triebwerken für die nur 2.134 m lange Bahn in La Guardia, womit man sich weiterhin an den Bedürfnissen von American orientierte. Als sich American Airlines im Februar 1968
nach monatelangen Vergleichen zwischen der L-1011 und der DC-10 für letztere entschied, hatte Lockheed freien Spielraum, um sein Modell den Vorstellungen von Eastern und TWA anzupassen.
Gemäß der alten Tradition im Hause Lockheed, die Flugzeuge nach Himmelskörpern zu benennen, taufte man das neue Projekt auf den Namen "TriStar", womit gleichzeitig der Antrieb
aus drei Triebwerken unterstrichen wurde.
Im März 1968 war die L-1011-385 für eine maximale Abflugsmasse von 409.000 lbs, eine Nutzlast von 56.200 lbs und 345 Passagiere ausgelegt. Jedes der drei Rolls-Royce
RB.211-22 lieferte 40.000 lbs Schub und gewährleistete eine Reisegeschwindigkeit von Mach 0.8 in 10.668 m Flughöhe. Bereits am 26. März 1968 entschieden sich Eastern und
TWA für den TriStar, was aber erst drei Tage später bekanntgegeben wurde - nach den offiziellen Endverhandlungen mit dem Top- Management von Lockheed und McDonnell Douglas
vom 27. März. Darüber hinaus konnte Lockheed mit der britischen Air Holdings Ltd. einen Vertrag über 50 L-1011 (30 Bestellungen und 20 Optionen) zum Verkauf außerhalb der
USA vereinbaren.
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